Wertachbrucker Tor

Schreinerturm

 

Über den Schreinerturm

 

Historie

Die Geschichte des Wertachbrucker Tores
Aus dem Bildband von Franz Häußler ( Augsburger Stadthistoriker ) "Augsburgs Tore - Der Reichsstadt Wehr und Zier" © by Franz Häußler und Wißner-Verlag Augsburg

 

Wertachbrucker Tor von 1514

Ursprünglich gab es nur ein Zolltor direkt an der Wertachbrücke vor der Stadt. Davon ist bereits zwischen 1320 und 1331 die Rede. Danach taucht ein stadtnäheres Tor an der Brücke über die »Sinkel« (Senkelbach) in den schriftlichen Quellen auf, und zwar erstmals 1357 als »neues Tor«. Von 1363 an wird es Wertachbrucker Tor genannt. Doch es ist noch nicht jener Torturm, den wir unter diesem Namen kennen - es ist ein Tor an der äußeren Befestigung, die noch als niedrige Mauer auf der Stadtansicht von 1514 (Bildausschnitt rechts, große Abbildung) zu erkennen ist. Dort ist auch der kleine Torbau mit der »Sinkel«-Brücke und der benachbarten »statt segmihl« abgebildet.

An der Stelle, an der jetzt das Wertachbrucker Tor steht, baute man um 1370 einen Turm in die neue, streckenweise näher an die Stadt gerückte Wehrmauer. Er besaß sicher einen Durchgang, denn eine Brücke über den Stadtgraben und ein Zwinger werden ebenfalls beim »roten Turm« erwähnt. So wird der Torturm bis 1404 in den Steuerregistern genannt, danach »porta rot Turn« oder auch »rothes Thor«. Von 1436 an heißt er dann in Ratsdekreten Wertachbrucker Tor. Aller Wahrscheinlichkeit nach stammt der viereckige Unterbau des jetzt noch stehenden Torturmes aus dieser Zeit.

l403 erhielt der Maler Conrad Judmann Geld aus der Stadtkasse für »gemälde tzu wertachpruck an dem neuen zwinger«. Es scheint sich dabei um die Ausschmückung des Vorwerks und nicht um die Kreuz-Darstellung gehandelt zu haben, die der Ausschnitt aus der Zeichnung von 1514 zeigt (Bild rechts oben). Diese detaillierte, gezeichnete Miniatur-Abbildung ist zugleich die früheste Ansicht von Tor, Brücke und Vortoren. Nach späteren Stadtplänen (um 1550 und 1563) zu schließen, änderte sich im 16. Jahrhundert am Aussehen des Torturms kaum etwas. Der grundlegende Umbau folgte erst durch Elias Holl. Elias HollZeitgleich mit dem Bau des Zeughauses ließ er 1605 am Wertachbrucker Tor arbeiten. Ausgewogene Proportionen und Gliederungen dienten der Zier, denn es hatte als wichtige Zufahrt eine hohe repräsentative Funktion.

Seit 1605 »starckhe wöhr zum geschütz«

Auf quadratischem Unterbau erhebt sich der achteckige, danach runde Torturm. Holl stockte ihn um zwei Geschosse über dem bereits mehrstöckigen mittelalterlichen Sockel mit hoher Durchfahrt auf und richtete dort oben »eine schöne starckhe wöhr zum geschütz« ein. Seit der Innenrenovierung durch die Schreinerinnung in den Jahren 1997 bis 1999 kann man sich bei Führungen ein Bild vom Inneren eines Torturms machen und durch einstige Schießlöcher rundum völlig neue Ausblicke genießen. Es ist das einzige Stadttor Augsburgs, in dem das jedermann möglich ist. Die fortifikatorische Tauglichkeit mussten das Tor und das vorgebaute Kronwerk 40 Jahre nach der Erneuerung durch Holl beweisen, als 1646 gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges dieser Teil der Befestigung Hauptangriffsziel der Schweden und Franzosen war. Ab 26. September beschossen sie die Jakobervorstadt und die Frauenvorstadt. Die Versuche, am 7. und 11. Oktober 1646 am Klinker- und am schwer beschädigten Wertachbrucker Tor die Stadt zu stürmen, scheiterten. Das Eintreffen eines kaiserlich-bayerischen Heeres am 12. Oktober erzwang den Abzug der Belagerer.
Auch im Spanischen Erbfolgekrieg verursachte die Beschießung im Dezember 1703 zwischen Altem Einlass und Fischertor starke Beschädigungen, doch diesmal öffneten sich die Tore: Am 16. Dezember verließ der kaiserliche Kommandant Bibra mit seinen 7600 Soldaten die Stadt, ohne größeren Widerstand geleistet zu haben. Die Franzosen zogen ein. Bei der 1704 folgenden Schleifung von Teilen der Wehranlagen wurde der Backofenwall demoliert und erst ab 1733 wieder instand gesetzt. Der östlich am Wertachbruckertor verbliebene mittelalterliche Mauerrest (»Am Backofenwall«) verband das Tor damit.

Zwölf Hakenbüchsen und zwei »Turmstückl«

Torwarte, Torschließer und Torschreiber - durchwegs städtische Bedienstete - waren hier wie an den anderen drei Haupttoren beschäftigt. Wehrhafte Bürger mussten bei Alarm zum Schussgatter des Tores und zu den zwölf schweren Doppelhakenbüchsen in den Obergeschossen eilen, die dort ständig neben zwei kleinen Geschützen (»Turmstückl«) für Einpfünderkugeln lagerten. Dies geht aus Inventarlisten von 1681 und etwa zeitgleichen Wehr- und Brandordnungen hervor. Um 1740 bildeten neun Stadtgardisten und ein Korporal die ständige Wachmannschaft am Wertachbrucker Tor während der Tagesöffnungszeit.

Anno 1735 schlug man zum wiederholten Male eine neue Holzbrücke über den Stadtgraben. In Stein wurden die Brückenbogen um 1780 ausgeführt. Um 1745 erfolgte die Erneuerung der Vorschanze samt eingefügter Zugbrücke und Schlagbaum als Schutz für die Zufahrt zum Tor. An diesem befand sich eine zweite Zugbrücke. Zwischen 1804 und 1806 ersetzte man die »Aufzieh-Bruggen« an den Toren durch feste Fahrbahnen. »Vom Wertachbrucker Thor gehen die Straßen theils über Ulm nach Frankreich, auch nach Frankfurt und nach den Niederlanden, theils über Nürnberg nach Franken, Sachsen und in die nördlichen Gegenden«, beschreibt 1788 Paul von Stellen die Bedeutung dieses Tores. Er erwähnt weiter, dass hier wie an den größeren Toren ein Torschreiber »jeden hereinpassierenden Fremden aufzuschreiben, bei der Behörde anzuzeigen und Verdächtige abzuhalten« habe.

Preußen-König und Napoleon zogen hier ein. Nicht nur die Holzbauern, Köhler, Töpfer, Fischer und anderen Wochenmarkt-Beschicker aus dem westlichen Umland kamen durchs Wertachbrucker Tor in die Stadt. Auch Prominenz aus fernen Landen traf hier ein - freudig empfangene und auch ungeliebte Gäste. Im Juli 1731 waren König Friedrich Wilhelm I. von Preußen und sein Sohn Friedrich, der als König den Beinamen »der Große« erhielt, gern gesehene Besucher. Die Stadt empfing sie am Tor gebührend und bereitete ihnen ein großes Fest. Der Preußen-König brachte viel Geld in die Stadt: Er bestellte Augsburger Silberwaren für 605 165 Gulden.


Bild: Wirklichkeitsgetreu erfasste Johann Jakob Kleinschmidt um 1720 das Vorfeld des Wertachbrucker Tores mit Wassergraben, Brücken, Vortoren, Wachhaus, Wällen und verwinkelter Zufahrt.

Als Kaiser Napoleon am 10. Oktober 1805 am Wertachbrucker Tor erstmals in die noch freie Reichsstadt einzog, fühlten sich die Augsburger recht mulmig. Er hatte bereits die Pläne für eine große Gebietsreform in der Tasche, nach denen wenige Monate später Augsburg dem neuen Königreich Bayern eingegliedert und zur Provinzstadt degradiert wurde.


Bild: Der Zeichner platzierte sich um 1820 vor dem äußeren Schlagbaum und hielt die Toranlage aus der Perspektive des Ankömmlings fest.

Wie schnell jedoch die königlich-bayerischen Untertanen in der einst stolzen Freien Reichsstadt Augsburg die Wittelsbacher als Landesherren akzeptierten, ja verehrten, lässt sich an dem enthusiastischen Empfang für König Ludwig I. und seine Gattin Therese am 28. August 1829 ablesen: Am Wertachbrucker Tor überreichte der Bürgermeister »unter unbeschreiblichem Jubel einer gewaltigen Menschenmenge« die Stadtschlüssel. Ein weiterer Beweis für die Königstreue ist noch heute auf eWertachbrucker Tor als Aquarell von 1865iner kleinen Tafel unter einer stadtseitigen Nische mit Sandstein-Madonna über der spitzen, gequaderten Toröffnung lesbar: »Zur Erinnerung an den 25. August 1845, den Geburts- und Namenstag des Königs Ludwig I. und den Geburtstag des Erbprinzen Ludwig von Bayern gewidmet von den Bürgern Augsburgs.« Ludwig II. wurde im genannten Jahr geboren, Ludwig I. bereits 1786. Die steinerne Madonna ersetzte 1849 eine verschwundene Bronze-Muttergottes von Hans Reichle.

Problemlose Umgehung rettet den Torturm

Als 1867 die umfassende Entfestigungswelle anlief, gehörten der Mauerabbruch an der Tor-Westseite und der Bau einer Straße zur Entlastung der Tordurchfahrt zu den ersten, längst als dringlich erachteten Maßnahmen zur Verkehrsverbesserung. Ein einziges Foto (Seite 67) dokumentiert die zuvor übliche Torpassage und die in Richtung Schleifgraben anschließende Mauer.

Bilder: Das linke Foto zeigt den Torturm vor dem Stadtmauerabbruch mit der Fahrbahn durch den Torbogen, daneben die neue Straßenführung um 1895.

Das Tor selbst blieb vom Abbruch verschont, da es nach Verfüllung des Stadtgrabens ohne besondere Schwierigkeiten zu umfahren und auch sonst nicht hinderlich war. So lag der Torturm über ein Jahrhundert im Abseits, bildete lediglich ein historisches Relikt aus Reichsstadtzeiten. Den Zweiten Weltkrieg überstand der Bau mit geringen Schäden, danach nagte der Zahn der Zeit ungehindert über 40 Jahre lang an vielen Stellen.

Zwei Maßnahmen rückten das Wertachbrucker Tor wieder verstärkt ins Bewusstsein: Als letztes der vier alten Stadttore kam es auf die Renovierungsliste, 1988 begann die dringend nötige äußere Instandsetzung. Dabei griff man auf die alte Holl´sche Farbfassung in Grau zurück. Die pachtweise Übernahme durch die Schreinerinnung und die nutzungs-und denkmalschutzgerechte Innensanierung durch die Holzhandwerker mit abschließendem historischem Fest im Jahre 1999 machten es weit über die Stadtgrenzen hinaus populär. Für weitere »Wertachbrucker-Tor-Freunde« sorgte die Wiederholung dieser Veranstaltung drei Jahre später.
Links: Als der Lithograph, Zeichner und Weinhändler Anton Ringler um 1865 dieses Aquarell schuf, bot sich ihm eine Idylle unmittelbar vor der Einebnung des Grabens.

© by Franz Häußler und Wißner-Verlag Augsburg

Herzlichen Dank an Franz Häußler für die Erlaubnis die Texte und Bilder aus dem Buch "Augsburgs Tore - Der Reichsstadt Wehr und Zier" zu veröffentlichen.

Weitere Informationen über das Wertachbrucker Tor bei:

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